Otto Müller-Eibenstock
Otto Müller-Eibenstock (1898–1986)
1898 geboren in Dorfstadt (heute OT Falkenstein/Vogtl.)
Lehre zum Textilzeichner
1916–1917 Studium an der Königlichen Kunstschule für Textilindustrie Plauen
1919–1933 Entwerfer bei einer Eibenstocker Firma für Maschinenstickerei
bis 1946 Soldat im Zweiten Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft
1962–1967 Lehrer an der Fachschule für Angewandte Kunst Schneeberg (Erzgebirge)
1986 gestorben in Zwickau
Otto Müller-Eibenstock hatte schon in jungen Jahren nicht nur als Gestalter, sondern auch als freier Künstler Erfolge. So konnte er seine konstruktivistischen Werke in Gesamtschauen der Avantgardegalerie Der Sturm vorstellen und wurde 1926 Mitglied der Künstlergruppe Die Abstrakten. Mit dieser Gruppe zeigte er bis 1932 regelmäßig seine Collagen, Fotogramme und Mischtechniken in der Großen Berliner Kunstausstellung neben Arbeiten so renommierter Künstler wie Wassily Kandinsky (1866–1944), Alexander Archipenko (1887–1964), Robert Delaunay (1885–1941) und Sonia Delaunay (1885–1979) oder Piet Mondrian (1872–1944). Die nationalsozialistische Kulturpolitik beendete jäh diese Schaffensphase, zudem riss ihn der Kriegsdienst auch aus seiner gestalterischen Tätigkeit. Als Otto Müller-Eibenstock 1946 aus der englischen Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt Eibenstock zurückkehrte, fiel ihm nach der erzwungenen Unterbrechung der Wiedereinstieg in die Kunst nicht leicht. In Umkehrung seiner Vorkriegsprinzipien, nach denen das Kunstwerk nicht durch Abstraktion aus der Wirklichkeit herzuleiten sei, sondern eine eigene Wirklichkeit darstelle, abstrahierte der Künstler jetzt Naturvorbilder durch Reduktion der Gegenstandsformen auf mehr oder weniger stilisierte, zuweilen auch geometrische Bildelemente. Es dauerte jedoch mehr als zwei Jahrzehnte, bevor seine Kunst innerhalb der DDR die ihr angemessene öffentliche Resonanz fand.
Literatur:
Otto Müller-Eibenstock. Malerei, Zeichnungen, Aquarelle, Fotogramme, Collagen, Temperablätter, Ausstellungskatalog, Galerie am Sachsenplatz, Leipzig, Leipzig 1981
Konstruktivismus in Sachsen. Rudolf Weber, Otto Müller-Eibenstock, Max Eismann, Ausstellungskatalog, Annaberger Kunst- und Kulturverein e. V., Museum Schloss Schwarzenberg, Schwarzenberg, Annaberg-Buchholz 1997
Milde, Brigitta: Otto Müller-Eibenstock 1898–1986. Malerei, Grafik, Textilentwürfe, Engelsbach 1998
Otto Müller-Eibenstock. Sein Weg von der textilen zur abstrakten Kunst, Ausstellungskatalog, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz, Chemnitz 2000
Generation im Schatten. Prägende Künstlerinnen und Künstler der 1940er und 1950er Jahre in Chemnitz und seiner umgebenden Region, Ausstellungskatalog, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz, Chemnitz 2018, S. 134–147