Michael Morgner (geb. 1942)
1942 geboren in Chemnitz
1961–1966 Studium an der HGB Leipzig
seit 1966 freischaffend
Mitglied der Freien Akademie der Künste Leipzig und im Deutschen Künstlerbund
lebt in Chemnitz/Einsiedel
Morgner war 1977 Mitbegründer der Künstlergruppe und Produzentengalerie Clara Mosch, die im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) und darüber hinaus mit Ausstellungen unangepasster Künstler und ungewohnten Kunstaktionen für Aufsehen sorgte. Seit Mitte der 1990er Jahre entwickelte Morgner ausgehend von seinen zeichenhaften Figuren auch Großplastiken in Stahl. Es entstanden zahlreiche Werke im öffentlichen Raum, z.B. in Chemnitz, Würzburg, Frankfurt am Main und Dresden. In seiner Kunst verbindet Michael Morgner entschiedene Formsetzungen mit dem gestalterischen Potenzial zufällig entstehender Strukturen. Seine halb fertigen Tuschzeichnungen hat er mit dem Schnee, den er darstellte, oder unter starkem Wasserstrahl ausgewaschen. So entstehen spritzende, verlaufende Übergänge: Aus tiefschwarzen Partien wird das Pigment herausgerissen, die ausgewaschene Tusche tropft, läuft und verteilt sich nach physikalischen Gesetzen. Die Natur, die Michael Morgner zur Auseinandersetzung reizt, wirkt in Form von naturhaften Prozessen auf das künstlerische Material ein und kehrt so in seine zunehmend abstrakte Bildwelt zurück. Diese Vorgehensweise, die er Lavage nennt, überträgt er mit dem Aussprengverfahren adäquat auf die Radierung.
Literatur:
Michael Morgner. Werkübersicht 1972–1991, Ausstellungskatalog, Galerie Gunar Barthel, Berlin, Berlin 1992
Michael Morgner. Figur + Metapher. Werkverzeichnis der Druckgrafik, Ausstellungskatalog, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig, Leipzig 2000
Michael Morgner. Tauwetter, Ausstellungskatalog, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz, Chemnitz 2000
Michael Morgner. Zeichnungen. Ausstellungskatalog, Sprengel Museum Hannover, Köln 2012
Morgner, Michael/Jähnig, Mathias: Tauwetter. Zeichnungen/Gedichte, Nürnberg 2012
Michael Morgner. Existenzbilder, Ausstellungskatalog, Anita und Günter Lichtenstein Stiftung, Göpfersdorf, Altenburg 2023