Carlfriedrich Claus
Carlfriedrich Claus (1930–1998)
1930 geboren in Annaberg (heute Annaberg-Buchholz)
1945–1948 Lehre als Einzelhandelskaufmann/Kunsthändler in Annaberg-Buchholz
seit den 1940er Jahren eigene Studien auf den Gebieten der Kunstgeschichte, Sprach- und Kulturwissenschaften, Philosophie und Psychologie, Auseinandersetzung mit der Anthroposophie Rudolf Steiners
1975 Aufnahme in den VBK der DDR
1977–1982 Mitglied der Künstlergruppe und Produzentengalerie Clara Mosch in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz)
1998 gestorben in Chemnitz
Carlfriedrich Claus verbrachte sein ganzes Leben in Annaberg-Buchholz, aber fast ebenso lange wurde ihm das Leben dort schwer gemacht. Als Schüler in der Zeit des Nationalsozialismus hatte er Ausgrenzung erfahren; in der DDR war seine Kunst, die dem Sozialistischen Realismus widersprach, bis zu seiner Aufnahme in den Verband bildender Künstler 1975 stark diskreditiert worden. Über sechs Jahrzehnte lebte Carlfriedrich Claus in einer kleinen Wohnung unter dem Annaberger Kino, die er erst wenige Jahre vor seinem Tod aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Völlig zurückgezogen und hoch konzentriert entwickelte Claus seit den 1950er Jahren hier sein OEuvre, in dem Geschriebenes und Semischriftliches durch Überlagerung und Verdichtung umschlagen in Grafisches und Bild. Auf originäre Weise bearbeitet Claus in seinen Werken u. a. philosophische, historische oder psychologische Themen. Seit 1950 entstehen experimentelle Texte, die sogenannten Letternfelder: seit Anfang der 1960er beidseitig beschriftetes und bezeichnetes Transparentpapier (Sprachblätter).
Während er bereits in dieser Zeit in Westdeutschland und im Ausland ausstellte und dort Anerkennung erfuhr, wurde ihm dies in der DDR von offizieller Seite lange verweigert. Erst im Laufe der Liberalisierung in den 1970er Jahren änderte sich dies allmählich. Nach 1989/1990 erfuhr sein Werk eine vielfältige, auch überregionale Aufmerksamkeit. Claus wurde mit großen Ausstellungen geehrt und erhielt u. a. 1989 den Max-Pechstein-Preis der Stadt Zwickau (zusammen mit Carl-Heinz Westenburger), 1993 den Jerg-Ratgeb-Preis und 1998 den Gerhard-Altenbourg-Preis. Im Jahr 1994 wurde er Ehrenbürger von Annaberg-Buchholz. Der Nachlass des Künstlers inklusive seiner Bibliothek und seiner umfangreichen Korrespondenz wird in der Stiftung Carlfriedrich Claus Archiv in den Kunstsammlungen Chemnitz bewahrt. Der Förderverein Carlfriedrich Claus – Lebens- und Arbeitsort in Annaberg-Buchholz e. V. sanierte die ehemalige Wohnung und eröffnete hier im Jahr 2005 den Studienraum Carlfriedrich Claus. Dieser bietet seither Einblicke in Leben und Werk des Künstlers und ist für Interessierte zugänglich.
Literatur:
Carlfriedrich Claus. Erwachen am Augenblick. Sprachblätter, Ausstellungskatalog und Werkverzeichnis, Städtische Museen Karl-Marx-Stadt, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Karl-Marx-Stadt/Münster 1990
Carlfriedrich Claus. Das druckgraphische Werk, Ausstellungskatalog und Werkverzeichnis, Lindenau-Museum, Altenburg, Altenburg 2000
Carlfriedrich Claus. Geschrieben in Nachtmeer. Sprachblätter, Radierungen, Fotografie und Lautprozesse, Ausstellungskatalog, Akademie der Künste Berlin, Kunsthaus Zug, Leonhardi-Museum Dresden, Berlin 2011
Milde, Brigitta: Gespräche über Farb-Gestalten, Klang-Gestalten, Atmen. Die Künstlerfreundschaft zwischen Carlfriedrich Claus und Rudolf Weber, in: Carlfriedrich Claus 1930–1998, Ausstellungskatalog, Annaberger Kunst- und Kulturverein e. V., Adam-Ries-Museum, Annaberg-Buchholz, Annaberg-Buchholz 2000, S. 11–24
Schrift. Zeichen. Geste. Carlfriedrich Claus im Kontext von Klee bis Pollock, Ausstellungskatalog, Kunstsammlungen Chemnitz, Chemnitz, Köln 2005
Wolf, Gerhard (Hg.): Augen Blicke Wort Erinnern. Begegnungen mit Carlfriedrich Claus. Berlin 1999